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Die Wilde


Es hat etwas gedauert bis dieser Blogartikel getippt wurde, aber dafür verrate ich Euch nun meine absolute Lieblingspflanze und ganz viele Fakten und Interessantes über sie.

Habt Ihr die Pflanze schon erkannt? Ja ich weiss, diese weissen Doldengewächse sind etwas vom schwierigsten zum bestimmen. Aber dieses hier verrät sich durch seine Mohrenblüte mitten in all der weissen Blüten. Der schwarze Punkt in der Mitte ist nämlich kein Insekt sondern einfach eine dunkle Blüte, die ein Insekt imitiert. Wie man auf dem Bild sieht, macht sie dies perfekt, es zieht die wirklichen Insekten in Scharen an.

Nun will ich Euch aber nicht mehr länger auf die Folter spannen. Es geht heute um die Wilde Möhre (Daucus carota). Bis vor gut zwei Jahren wusste ich noch nicht einmal, dass es diese Pflanze gibt. Diese weissen Doldenblütler auf der Wiese sahen für mich alle gleich aus und von Pflanzenbestimmung hatte ich so gut wie keine Ahnung. Das hat sich dann während meiner Ausbildung an der Kräuterakademie zum Glück geändert. Allerdings fand ich die Bestimmung dieser Pflanzen immer noch schwierig, bis ich das mit der Mohrenblüte entdeckte und von da an entdeckte ich die Wilde Möhre, oder das Wilde Rüebli wie wir in der Schweiz auch sagen, überall. Ich war so begeistert, dass ich nun endlich einen dieser Doldenblütler erkennen konnte. Als ich dann entdeckte wie so eine Wilde Möhre kurz vor der Blüte oder auch nach der Blüte ausschaut, was für wundervolle Gebilde sie formt, wie zart und zerbrechlich sie aussehen, war es um mich geschehen. Sie faszinierte mich und ich wollte die Pflanze unbedingt in meinem Garten haben. Als wir dann letztes Jahr unseren Garten umgestalteten, bat ich den Gärtner eine zu pflanzen. Aus dieser einen Pflanze (und wohl auch noch aus der Blumenwiesen-mischung die er angesät hat) hat es nun fast einen Wilde Möhrewald gegeben.


Es scheint ihr hier zu gefallen, denn teilweise sind riesige Exemplare gewachsen, die bestimmt 1,5 Meter hoch sind. Mein Mann findet, dass die Riesenanzahl langsam grenzwertig sei. Ich finde es wunderbar, aber insgeheim muss ich ihm ein bisschen recht geben. Denn die anderen Pflanzen sollten ja auch noch etwas Platz haben dürfen. So werde ich wohl demnächst etwas "Geburtenkontrolle" betreiben.

Nun aber noch zu den spannenden Informationen über die Wilde Möhre. Sie ist ja nicht nur wunderschön anzuschauen sondern auch eine Heilpflanze.

Wie bereits erwähnt gehört die Wilde Möhre zu den Doldengewächsen. Wie ich oben schon schrieb, ist die Mohrenblüte das sicherste Bestimmungsmerkmal. Aber, leider gibt es auch Exemplare denen diese schwarze Blüte fehlt und dann kommt man nicht um eine genaue Bestimmung herum. Unter den weissen Doldenblütlern gibt es auch giftige Arten (z.B. der Schierling). Hier ist also Vorsicht geboten!

Aus der Wilden Möhre sind sämtliche unserer Kulturkarottensorten hervorgegangen. Sie ist eine zweijährige Pflanze, das heisst sie bildet im ersten Jahr nur die Blätter und die Pfahlwurzel. Sie ist unter anderem mit Anis, Dill und Kümmel verwandt. Die Wuchshöhe liegt meistens zwischen 50 bis 100 cm, kann aber auch höher sein. Die Pflanze bildet sogenannte Wurzelrüben aus die vor allem aus der Hauptwurzel bestehen. Die Wurzeln der Wilden Möhre sind eher bleich und einiges kleiner als die der Gartenmöhre. Die Erntezeit für die Wurzeln ist entweder im zeitigen Frühjahr (März) oder späten Herbst (Oktober). Die Blütezeit ist relativ lang und kann von Mai bis August dauern. Nach dem Abblühen zieht sich die Blüte nestartig zusammen. Was zu den fantastischen Gebilden führt, wie Ihr sie teilweise auf dem oberen Bild seht.

Sie hat die folgenden Inhaltsstoffe: Provitamin A, Vitamine B1, B2 und C, Flavonoide und ätherische Öle und besitzt die folgenden Eigenschaften: stoffwechselanregend, harn-treibend, entzündungshemmend und appetitanregend.

Sammeln in der Natur:

Die Wilde Möhre ist häufig. Auf fast jeder Wiese, an Abhängen, Böschungen und Wegrändern ist sie zu finden. Die oft sehr dicken Wurzeln werden nach dem Ausgraben gewaschen und entweder frisch verwendet oder im Halbschatten zerkleinert und getrocknet. Für die Samengewinnung schneidet man die Dolden ab, bündelt sie und hängt sie im Schatten auf . Die reifen Samen werden herausgeklopft und kommen in ein Papiersäckchen.

Zubereitung des Tees aus den Samen der Wilden Möhre:

1 Teelöffel Samen mit 1/4 l kochendem Wasser übergiessen.

10 Minuten stehen lassen und vor oder nach den Mahlzeiten schluckweise trinken.

Der Tee ist ein gutes Kräftigungsmittel und hilft über die vitaminarmen Zeiten hinweg.

Zu guter Letzt möchte ich Euch noch von einem Wilde Möhre-Erlebnis berichten.

Im letzten Herbst besuchte ich einen Kurs um eine Pflanzenessenz herzustellen. Wir durften uns im Garten eine Pflanze aussuchen welche uns besonders ansprach. Ich brauchte natürlich nicht lange zu suchen. Sofort hatte ich die Wilde Möhre entdeckt und pflückte eine Blüte und auch etwas Kraut für meine Essenz. Die Essenz herzustellen war fast ein Tagewerk, aber ein wunderbares und ich habe diesen Tag extrem genossen. Im Garten zu sitzen und eine Stunde zu mörsern und dann nochmals eine Stunde und am Schluss schüttelten wir die fertige Essenz noch eine halbe Stunde. Es war ein sehr meditativer und ruhiger Tag. So etwas sollte man einfach viel öfters machen. Den ganzen Ablauf hier zu schildern würde diesen Rahmen sprengen. Vielleicht schreibe ich zu einem späteren Zeitpunkt einen separaten Blog darüber. Aber die Kursleiterin gab uns mit den Kursunterlagen noch ein Protrait über die gewählte Pflanze und da stehen ein paar ganz interessante Dinge über die Wilde Möhre. Das möchte ich Euch nicht vorenthalten.

Wolf-Dieter Storl schreibt in seinem Buch "Die Seele der Pflanzen": Die Wilde Möhre ist die Lichtpflanze der Urgöttin. Goethe beschrieb einmal das Auge als "sonnenhaft" als "vom Licht für das Licht gebildet". Da ist es nicht verwunderlich, dass die Möhre als Lichtpflanze auch unserer Sehfähigkeit zugute kommt. Die Wilde Möhre ist eine "durchlichtete" Pflanze. Sie nimmt die kosmischen Lichtenergien dermassen in sich auf, dass die Blattsubstanz praktisch dahinschmilzt und feine, filigran gefiederte Wedel hinterlässt.

Roger und Hildegard Kalbermatten schreiben in ihrem Buch "Wesen und Anwendungen der Pflanzen": Die heutige Zeit ist gekennzeichnet durch eine kaum zu bewältigende Vielfalt und Komplexität von Einflüssen, die auf den Menschen einwirken und seine Aufmerksamkeit erfordern. Dies kann je nach Konstitution und Intensität der Belastung zu einer inneren Zerrissenheit und Unausgeglichenheit der Kräfte führen. Die Bewusst-seinskräfte werden zerstreut und geschwächt. Dabei ist es oft nicht mehr möglich, die Energie auf das Wesentliche, auf das Zentrum, zu lenken. In solchen Situationen erweist sich die Wilde Möhre als hilfreich. Sie vermag den Blick für das Wesentliche zu schärfen.

Ich finde diese beiden Beschreibungen wunderbar und so perfekt für dieses zarte Gewächs. Meine Essenz von der Wilden Möhre hat mich schon das eine oder andere Mal gut durch schwierige Situationen begleitet oder mir geholfen die Ruhe zu bewahren.







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